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PRESSEMELDUNG 14.02.2012

Versorgungssicherheit als wichtiger Wettbewerbsfaktor

Weingarten – Bereits heute sind mehr als 90 Prozent aller Industrieunternehmen von steigenden oder stark schwankenden Preisen für Rohstoffe und Material betroffen. Maßnahmen wie die Erschließung neuer Lieferanten oder der Abschluss langfristiger Lieferverträge stoßen schon heute oder in naher Zukunft an ihre Grenzen. Seit einiger Zeit stehen die Preise für Energie und Rohstoffe an erster Stelle der Wirtschaftsrisiken, berichtete Professor Dr.-Ing. Peter Jany, Hauptgeschäftsführer der Industrie- und Handelskammer Bodensee-Oberschwaben (IHK). Energie- und Rohstoffsicherung zählten zu den Sorgenkindern der Unternehmen. Nicht zuletzt aus diesem Grund habe die IHK-Organisation das Thema „Energie und Rohstoffe für morgen“ als Jahresthema 2012 gewählt. Jany konnte bei der Auftaktveranstaltung zum Jahresthema, die sich mit der „Sicherung der Wettbewerbsfähigkeit – Versorgungssicherheit und Materialeffizienz im globalen Markt der Zukunft“ beschäftigte, zahlreiche Wirtschaftsvertreter aus den unterschiedlichsten Branchen begrüßen.

Heute sei eine Tonne Schrott teurer als eine Tonne Stahl im Jahr 2003, gab Rainer Erhard, Leiter Zentraleinkauf Walzwerkerzeugnisse der ZF Friedrichshafen AG, Schweinfurt, zu bedenken. 2011 sei ein Umsatz von 15 Milliarden Euro erzielt worden, weitere Umsatzsteigerungen seien zu erwarten. Das Produktportfolio der ZF sei allerdings erheblich durch Stahl beeinflusst, so Erhard weiter. „Veränderte Rahmenbedingungen setzen uns daher unter einen enormen Zugzwang.“ Die einseitige Aufkündigung der Verträge seitens der Stahlindustrie bewertete der ZF-Zentraleinkäufer als fahrlässig. Darüber hinaus entziehe sich die Stahlindustrie durch zunehmende Indexierung der Risikoverantwortung, kritisierte Erhard. Staatliche Subventionen in Asien brächten zusätzliche Wettbewerbsnachteile für die europäische Industrie. Handelsprotektionismus, Währungsrisiken und Spekulation gefährdeten zunehmend die globale Wirtschaft. „Eine Eins-zu-eins-Weitergabe der Rohmaterial-Preisveränderungen an unsere Kunden ist nicht möglich“, betonte Erhard. Die ZF Friedrichshafen AG erwarte daher von der Stahlindustrie eine höhere Versorgungssicherung, eine Verbesserung der Qualitätsperformance, langfristige Verträge, die Entwicklung innovativer Gütern und insbesondere Transparenz. Nur so könnten nachhaltig eine störungsfreie Lieferkette garantiert, die Qualitätsanforderungen der ZF sichergestellt und das Wachstum des Unternehmens abgesichert werden.

Die „demea“ unterstütze Unternehmen bei der Verbesserung ihrer Rohstoff- und Materialeffizienz, berichtete Mario Schneider, Leiter der im Jahr 2005 auf Initiative des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie entstandenen Deutschen Materialeffizienzagentur. Er informierte die Veranstaltungsteilnehmer über das Förderprogramm „go-effizient“. Im produzierenden Gewerbe machten die Materialkosten durchschnittlich 42 Prozent der Gesamtkosten aus, die Personalkosten hingegen lediglich 20 Prozent, gab er zu bedenken. Expertenberechnungen zufolge gebe es bei den Materialkosten der Industrie allein in Deutschland jährliche Einsparpotenziale in Höhe von 100 Milliarden Euro. So hätten über das Vorläuferprogramm von „go-effizient“ im Zuge von 1050 bewilligten Beratungen bereits durchschnittlich 210.000 Euro pro Jahr und Unternehmen eingespart werden können. Der Mittelwert der jährlichen Ersparnis aller Unternehmen liege bei einer Prozessverbesserung im Bereich von 1,8 Prozent des Umsatzes. Schneider appellierte an die Unternehmer, unter: www.demea.de an einem Online-Materialeffizienz-Selbstcheck teilzunehmen. Anhand der Antworten seien eine erste Analyse sowie eine Prognose zu möglichen Einsparpotenzialen möglich. Die Hälfte der Effizienzvorschläge sei direkt umsetzbar bei Investitionen unter 10.000 Euro, berichtete Schneider. Weitere 20 Prozent erforderten Investitionen unter 50.000 Euro. „Die Amortisationszeiten liegen dabei unter sechs Monaten.“ Die „demea“ arbeite mit einem Pool von rund 200 Beratern zusammen, deren fachliche Kompetenz geprüft worden sei. Rund 95 Prozent der beratenen Firmen, die auch in der Umsetzungsphase begleitet worden seien, hätten bei einem Qualitätsbarometer angegeben, dass sie „zufrieden“ oder „sehr zufrieden“ gewesen seien, betonte Schneider und verwies auch auf das Schwesterförderprogramm „go-innovativ“.

Materialeffizienz generiere Wettbewerbsvorteile, sagte Dr. Sönke Voss, Technologietransferbeauftragter der IHK. Was die Förderung von Forschung und Entwicklung im Bereich Materialeffizienz betreffe, existiere immer noch eine große Lücke zwischen dem umfassenden Angebot und der tatsächlichen Inanspruchnahme, berichtete Voss mit Verweis auf Innovationsgutscheine und das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM). Lediglich ein Viertel bis ein Drittel der mittelständischen Firmen nähme eine Förderung in Sachen Forschung und Entwicklung in Anspruch, so Voss. Die IHK biete bei Bedarf eine Erstberatung an und unterstütze auch bei der Suche nach Forschungspartnern.

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DOKUMENT-NR. 80859

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16.05.2012

EU-Klimapolitik muss verlässlich bleiben

Die Klimaschutz-Ziele der Europäischen Union schienen geklärt, die für ihre Erreichung erforderlichen Maßnahmen festgelegt. Doch nun mehren sich Vorstöße, die Zielmarken heraufzusetzen und die Regeln für den Emissionshandel zu verschärfen – einmal mehr im europäischen Alleingang. Der DIHK warnt nachdrücklich davor, den Unternehmen in Europa Planungs- und Rechtssicherheit vorzuenthalten und ihre internationale Wettbewerbsfähigkeit zu gefährden.